Texte
Das Licht brannte die Nacht über bis zum Morgen.
Leiser Wind spielte in den Vorhängen.
Das Haus schlief. Es schlief die Stadt.
Dunkelheit lag über den Brücken.
Im schwarzen Laub die reifen Äpfel
wuchsen weiter.
Regenduft auf der nächtlichen Veranda.
So hilflos waren die großen Bäume –
einsam standen sie gegen die Luft,
schwiegen, lauschten, ragten in den Schatten,
streiften die Dunkelheit mit ihren feuchten Zweigen,
mit jedem einzelnen Geflecht.
Das Haus ruhte. In seinen Fluren
saß die Liebe wie eine Krankheit in den Poren,
wie ein Laut, der vom Gaumen stürzt,
wie Strahlen, die den Boden treffen -
verflüchtigt, glimmend, herbstlich
stand sie allein.
Treppen, Balken, Bücher und Möbel:
gepeinigte, warme Dinge,
Namen, mit denen die Morgen begannen,
Raum, der die Abende formte,
Gewohnheiten, Zwänge, Gelüste –
besinn dich und rede.
Die Fenster zogen die Kühle an sich,
und wie eine Fahne oder die Freiheit
hartnäckig und hingegeben, wieder und wieder
bewahrten sie sie, zum Erstaunen aller,
lange ist keiner hierher gekommen,
keiner ist von hier gegangen.
Hell, durstig, unpersönlich.
Alles wurzelt in der Liebe,
alles betrifft das Wichtigste,
alles entsteht aus Belanglosem,
aus Unverständlichen und Lebendigem,
aus Geäußertem und Geheimnissen.
Sollen doch die widerspenstigen Häuser stehen.
Welche Seite du auch aufschlägst, ¬
die Zeit verbindet die verletzten Adern,
schleppt die grauen Binden.
Du bist hier zu innig geliebt worden,
als dass du weggehen könntest.
Soll es ruhig so sein, wie es früher war.
Sie wartet und schreibt doch nicht
wie sonst im Herbst.
Das Licht erkaltet im Zimmer,
und erst wenn sie aufstehen muss,
kommen die Träume.
Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe
© Serhiy Zhadan